Fünfzig Jahre danach. Zur Nachgeschichte des Nationalsozialismus
Hgg. von Birgit R. Erdle/ Sigrid Weigel. Zürich: vdf Hochschulverlag 1995
Für die "Insel Schweiz" blieben - oberflächlich betrachtet - die Ereignisse zwischen 1933 und 1945 ohne Folgen. Die Zeit von Krieg, Verfolgung und Vernichtung erscheint auch für das übrige Europa als abgeschlossene historische Periode: Begriffe wie "Neuanfang", "Vergangenheitsbewältigung" oder "Wiedergutmachung" zeugen davon. Der Zivilisationsbruch aber, der sich mit dem NS-Projekt der Judenvernichtung ereignete, bewirkt etwas Unabschliessbares, eine bleibende Virulenz dessen, “was nie hätte passieren dürfen” (H. Arendt).
Darin S. Weigel,. “Shylocks Wiederkehr. Die Verwandlung von Schuld in Schulden oder: Zum symbolischen Tausch der Wiedergutmachung”.
Gedächtnis, Geld und Gesetz. Zum Umgang mit der Vergangenheit des Zweiten Weltkrieges
Hgg. von Jakob Tanner und Sigrid Weigel. Zürich: vdf Hochschulverlag 2002.
Mit den Begriffen Gedächtnis, Geld und Gesetz wird die Diskussion um das Verhalten der Schweiz im Zweiten Weltkrieg in einen grösseren historischen und theoretischen Zusammenhang gestellt. In den hektischen Wendungen der öffentlichen Auseinandersetzung wird oft vergessen, wie sehr das Geld beziehungsweise die Geldmetaphorik Geschichtsbilder dominiert und wie stark die sogenannte Vergangenheitsbewältigung in den Sog der Verrechtlichung geraten ist.
Streit um die Forderungen Griechenlands. Schuld und Schulden
pdf des Artikels im Tagesspiegel, 6.4.2015.
Jüngst haben Politiker der SPD und der Grünen dafür plädiert, griechische Forderungen nach Reparationen und Entschädigungen für die Besatzung durch Hitler-Deutschland nicht mehr strikt abzulehnen. Dabei war immer wieder zu hören, dies habe aber nichts mit dem griechischen Begehren nach einem Schuldenschnitt zu tun. Tatsächlich ist es aber unmöglich, die beiden Themen auseinanderzuhalten. Denn Deutschland hat sich in den 50er Jahren selber für die Wiedergutmachung als Königsweg der Vergangenheitsbewältigung entschieden. Damit wurde ein Prozess der Verrechnung von Schuld als Schulden in Gang gesetzt, dessen Dynamik nun nicht so leicht zu stoppen ist.
Die Spur von Scham, Schuld und Schulden. Vergangenheitspolitik und -rhetorik im intergenerationellen Gedächtnis seit 1945
in: Bonds. Schuld, Schulden und andere Verbindlichkeiten. Hgg. v. Thomas Macho und Valeska Neumann. München: Fink 2014.
Der Aufsatz schließt an die Thesen zur „Verwandlung von Schuld in Schulden“ in dem Beitrag „Shylocks Wiederkehr“ im Band 50 Jahre danach (1995) an. Ausgehend von einem ‚Bond of shame‘ zwischen den Generationen der deutschen Nachkriegsgeschichte untersucht der Beitrag unterschiedliche Konstellationen im Zusammenwirken von Schuld und Schulden in der Nachgeschichte von Krieg und Holocaust: (1) Die Schuld(en)buchführung der Nachkriegszeit, (2) Vom unmöglichen Tausch der „Wiedergutmachung“, (3) 1968 und 1985 – von der Unreinheit des Geldes, (4) Generationenvertrag und Schuld der Schulden, (5) Die Wiederkehr der Schuld in der Schuldenkrise.
Conversion, Exchange, and Replacement. Reflecting Cultural Legacies of Indemnity.
in: Restitution and Memory. Material Restoration in Europe. Ed. D. Diner, G. Wunberg. Oxford: Berghan Books 2007.
pdf for download here:
Departing from the founding myth of the art of memory, the legend of Simonides and the transformation of the dead into an ars memoria, the article discusses – from a cultural-historical perspective – pre-modern concepts of exchange and conversion that are inscribed in the politics of reparation and restitution.
Deutsche Version: “Entgeltung durch Geld. Zum Nachleben vormoderner Tauschbegriffe in der Entschädigungspolitik”, in: Nachleben der Religionen. Kulturwissenschaftliche Untersuchungen zur Dialektik der Säkularisierung. Hgg. v. M. Treml, D. Weidner. München: Fink 2007,
Telescopage im Unbewußten. Zum Verhältnis von Trauma, Geschichtsbegriff und Literatur
Im Anschluss an eine Kritik der theoretischen Universalisierung des Traumas als Geschichte (Cathy Carus) unternimmt der Beitrag eine Relektüre der Tasso-Passage in Freuds Einführung des Traumas in Jenseits des Lustprinzips. Während Freuds Konzept in Verbndung mit dem Wiederholungstrieb steht, kommt in der Nachgeschichte von NS und Holocaust das Phänomen einer transgenerationellen Traumatisierung ins Spiel, das von der Psychoanalyse als téléscopage beschrieben wird.
Die Hollywoodisierung der Vergangenheit
Interview mit Andreas Isenschmid und Hans-Peter von Däniken, in:Tages-Anzeiger, 8.4.1998