Zwischen Rauschen und Offenbarung: Zur Kultur- und Mediengeschichte der Stimme
In der modernen Öffentlichkeit wird die Stimme als das Medium einer demokratischen und sozialen Ordnung betrachtet. Sie steht im Zentrum eines umfangreichen Wortfeldes: Stimmrecht, Abstimmung, Volkes Stimme, eine Stimme haben oder die Stimme ergreifen. Ähnlich prominent ist die Stimme im übertragenen Sinne, in der gegenwärtigen Kultur- und Literaturtheorie. Sei es in der berühmten Frage: „Wer spricht?“, im Konzept der Polyphonie oder der Intertextualität, in dem es um das Echo der Zitate in der Kunst geht. Was aber kommt zum Ausdruck, wenn „nur“ die Stimme zu hören ist, wenn Klang, Rhythmus, Schrei, Atem und Stocken der Stimme jenseits aller Worte, aller Bedeutungen und Signifikate vernehmbar sind? Die langjährige monomanische Verehrung der Schriftreligion und Bildersucht durchbrechend, soll mit den hier versammelten Beiträgen eine Kultur- und Mediengeschichte der Stimme skizziert werden. Neben dem Verhältnis von Stimme und Schrift und der Rolle der Stimme in Politik und Jurisprudenz, gilt die Aufmerksamkeit vor allem Themenbereichen wie der Opern-, Musik- und Filmgeschichte sowie der Technikgenese modernerer Aufzeichnungssysteme.
Mit Beiträgen von Thomas Macho, Moshe Idel, Jesper Svenbro, Sigrid Weigel, Karl-Heinz Göttert, Bettina Menke, Cornelia Vismann, Hans Georg Nicklaus, Claudia Schmölders, Susan McClary, Michel Poizat, Mladen Dolar, Brigitte Felderer, Wolfgang Scherer, John Durham Peters, Thomas Y. Levin, Friedrich Kittler, Anthony Moore.
In diesem Band enthalten:
Sigrid Weigel: “Die Stimme der Toten. Schnittpunkte zwischen Mythos, Literatur und Kulturwissenschaft”, S. 73 ff.
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