Genealogie und Genetik. Schnittstellen zwischen Biologie und Kulturgeschichte
Herausgegeben von Sigrid Weigel. Berlin: Akademie Verlag 2002
pdf von S.Weigels Beitrag “Inkorporation der Genealogie durch die Genetik”:
Die Wissenschaftsgeschichte der Genetik wirft nicht nur ethische Fragen auf, die den Umgang mit ihren Möglichkeiten und Techniken betreffen. Sie führt auch zu einschneidenden Veränderungen tradierter kultureller Konzepte. Diese aber sind bislang weitgehend im Schatten eines verfehlten Streites über ›Vererbung versus Erziehung‹ geblieben, in dem bekannte Angstund Wunschbilder einer genetischen Determination oder Steuerung menschlicher Attribute und Verhaltensweisen zirkulieren. Weitgehend unreflektiert dagegen sind bislang jene Zäsuren geblieben, die die Praktiken von Gentechnologie und Reproduktionsmedizin für die ›elementaren Strukturen der Verwandtschaft‹ und für das tradierte genealogische Denken bedeuten.
Die Beiträge des Bandes eröffnen den kulturhistorischen Rahmenfür eine Diskussion der biowissenschaftlichen Entwicklungen, die der Frage nach einem möglichen Umgang mit ihren Techniken vorausgehen muß. Sie reichen von einer Rekonstruktion vormoderner genealogischer Konzepte wie Stammbaum und Ahnentafel über Studien zu verschiedenen Erbschafts- und Vererbungsbegriffen in der Moderne bis zur Untersuchung des imaginären und symbolischen Subtextes einiger jüngerer biowissenschaftlicher Paradigmen.
Mit Beiträgen von Henri Atlan, Caludia Castaneda, Charlie Davidson, Kilian Heck, Thomas Macho, Sigrid Weigel, Lee M. Silver, Stephanie A. Smith, Pat Spallone, Susan Squier.