Topographie und kulturelle Semantik von Land und Meer. Zum thalassischen Europadiskurs zwischen Schwarzem Meer und Mittelmeer
Gegenüber der zentralen Rolle, die das Mittelmeer für die Kulturgeschichte Europas spielt – paradigmatisch in Braudels Mittelmeerbuch–, verschiebt der Beitrag den Blick nach Ost zum Schwarzen Meer. Diskutiert wird die Bedeutung von Land und Meer bei Carl Schmitt und im geopolitischen Diskurs der europäischen Geschichte
in: Grundordnungen. Geographie, Religion, Gesetz. Hgg. Zaal Andronikashvili/ Sigrid Weigel. Berlin: Kadmos 2013.
Grundordnungen. Geographie. Religion. Gesetz
Herausgegeben von Zaal Andronikashvili und Sigrid Weigel, Berlin: Kadmos 2013
Mit dem Konzept der Grundordnung verbindet sich eine vieldeutige Semantik, die das Zusammenspiel von Grund (als Boden/Territorium) mit dem Grund der Begründung betrifft, das für die Konstitution wie auch Geltungsbereich von Verfassungen eine wichtige Rolle spielt. Die kulturwissenschaftliche Perspektive der Frage nach Grundordnungen richtet sich auf jene Voraussetzungen, die im Zuge der juristischen Verengung des Begriffs ausgeschlossen worden sind. Damit gehen die Untersuchungen dieses Bandes hinter bzw. vor die juristische Semantik des Verfassungsbegriffs zurück. Untersucht werden die vielfältigen Übergänge zwischen Kultur, Religion und Gesetz und damit diejenigen Praktiken und Konzepte, mit denen das Selbstverständnis eines Volkes in konkrete politisch-juristische Grundsätze oder Grundrechte transformiert wird.
Einleitung unter “Weiterlesen”
Topographien der Geschlechter. Kulturgeschichtliche Studien zur Literatur.
Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag 1990
Die geschlechtsspezifische Codierung von Topographien, wie sie in den Diskursen und Bildern von Stadt und Wildnis kenntlich werden, spielt eine zentrale Rolle für die Entwicklung einer literaturgeschichtlichen Gendertheorie. Im Verhältnis von Geschlecht, literarischer Repräsentation und Topographie in der europäischen Kulturgeschichte richtet sich der Blick insbesondere auf die Position der kulturell und sexuell markierten ‘Anderen’.
Die Stadt erfährt eine Sexualisierung über die Analogisierung von urbanem Raum und weiblichem Körper, exemplarisch im Topos der Hure Babylon. Die Natur und Landschaft werden in kolonialen und hegemonialen Narrativen als zu beherrschendes, zu kartierendes und zu eroberndes Territorium dargestellt, das dem männlichen Blick und der Rationalität unterworfen werden müssen.