Der konventionelle Code als buckliger Zwerg im Dienste der Emotion Recognition.Überlegungen zu einer Urgeschichte der digitalen Kultur

Während die Schnittstelle zwischen digitaler Kultur und empirischer Psychologie auf die informationstechnologischen Träume der 1960er Jahre zurückgeht, ist der ‘Katalog der Gefühle’ seit Aristoteles relativ konstant geblieben, während sich das bis heute genutzte Modell zur Decodierung der einzelnen Emotionen anhand fazialer Muskelbewegungen (FACS, Facial Action Coding System) in der Geschichte der Physiognomik bis zu Charles Le Bruns Conférence sur l’expression général et particulière des passions (1668) zurückverfolgen lässt. Erschienen die seit den 1970ern etablierten Bilder des FACS zunächst als Masken, so haben sich die Gesichtsausdrücke in den Sozialen Medien – über die Emoticons – deren Schemata tendenziell angepasst.

In: Internationales Jahrbuch für Medienphilosophie 2020, S. 47-79.

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The Face as Artefact. Towards an Artefactual Genealogy of the Portrait