Erbe. Übertragungskonzepte zwischen Natur und Kultur
Erben und Vererben heißt Übertragen, Überliefern, Übereignen und betrifft sehr unterschiedliche Phänomene: Dinge und Wissen, Materielles und Immaterielles, Organisches und Anorganisches, Dispositionen und Merkmale, Natur und Artefakte. Dabei sind auch unterschiedliche Akteure im Spiel: einzelne Personen, Familien, soziale Gruppen, Gemeinschaften, aber auch Zeiten oder Epochen. Dabei sind Institutionen und Regelungen (in der Kultur) oder Gesetzmäßigkeiten (in der Biologie) konstitutiv. Konzepte des ‘Erbes’ betreffen stets die Vermittlung zwischen Vergangenem, Gegenwärtigen und Zukünftigen.
Das Buch, Ergebnis eines von Sigrid Weigel und Bernd Jussen geleiteten transdisziplinären Forschungsprojekts am ZfL, versteht sich als kulturwissenschaftlicher Beitrag zu einem komperativen und integrativen Blick auf das ‘Erbe’, das Aspekte der Kultur-, Rechts-, Religions- und Wissensgeschichte des Erbes vom Mittelalter bis zur Gegenwart in Europa einbezieht. Im Zentrum steht die Zäsur zwischen Vormoderne und Moderne. Die zentrale These betrifft die Modernisierung des Erbes um 1800 durch eine Engführung von biologischen, ökonomischen und rechtlichen Vorstellungen von Vererbung mit dem Effekt einer Familialisierung, Kodifizierung und eine Blickwechsel von den Ahnen auf die künftigen Gegenrationen. Damit erhält das aktuelle Interesse am Erbe eine historische Tiefenschärfe. Erörtert werden historische Veränderungen in den Konzepten von Herkunft, Verwandtschaft, Erbrecht, biologischer Vererbung sowie die Rolle von Eigentum, Testament und Tradition.
Mehr Informationen finden Sie auf den Seiten des Suhrkamp-Verlages.